top of page

Desinfektionsmittel und Desinfektionsverfahren für dein Beckenwasser

Aktualisiert: 7. Apr. 2023



Da im alltäglichen Badespaß auch verschiedene sichtbare und unsichtbare Verunreinigungen ihren Weg in den Schwimmbeckenkreislauf finden, muss jedes Schwimmbecken, vom kleinen Quick-Up Pool bis zum großen Olympiaschwimmbecken oder Badeparadies das Schwimmbadwasser aufbereiten.

Was dich in diesem Beitrag erwartet:












Für die Desinfektion von Schwimmbadwasser gibt es für öffentliche und private Schwimmbäder verschiedene Regelungen und Normen, welche dennoch in vielen Punkten Ähnlichkeiten aufweisen, daher gehen wir im folgenden Artikel übersichtlich auf die wichtigsten Punkte der Schwimmbadwasseraufbereitung ein.

Welche Verunreinigungen finden sich im Schwimmbeckenwasser?

Die Qualität des Schwimmbadwassers wird täglich vor große Herausforderungen gestellt, vor allem in Freibädern, z.B. durch Blätter, Blüten und andere Verunreinigungen, von Vögeln oder anderen Tieren.

Neben all diesen Verunreinigungen finden sich auch eine Menge Mikroorganismen, wie Viren, Bakterien oder Pilzen im Schwimmbadwasser, welche zum Teil aus eingebrachten Schutzstoffen entstehen oder auch einfach über die Haut in Form von Schweiß oder Hautzellen abgegeben werden.



Der gerne überlesene Hinweis „Bitte duschen Sie vor Benutzung des Schwimmbeckens“ hat nichts damit zu tun, dir zu unterstellen, dass du dich nicht zuhause duschst, sondern dient vielmehr dazu, die Beckenwasserqualität zu erhalten. Die Dusche vor dem Baden bereinigt viele der unsichtbaren Verunreinigungen, wie Schweiß, Hautzellen oder Reste von Sonnen- und Hautcremes.


Damit das Schwimmbeckenwasser, trotz all dieser Verunreinigungen, für alle Badegäste ein keimfreies Badeerlebnis ist und bleibt, gibt es klare Regeln zur Wasserpflege, vor allem bei der Desinfektion des Wassers.

Die allgemeinen Anforderungen an das Desinfektionsmittel sind:

  • Schnelle Reaktionszeit beim Abtöten der Verunreinigungen

  • Breites Wirkungsspektrum gegen Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten

  • Keinerlei Nebenwirkungen für Badegäste

  • Langzeit- und Depotwirkung im gesamten Beckenkreislauf

Wasserdesinfektionsmittel:


WICHTIGER SICHERHEITSHINWEIS: Bitte beachte die Sicherheitsangaben auf deinen Wasserpflegemitteln! Selbst ein „ich mache doch nur mal eben eine Kleinigkeit!“ kann sehr gefährliche, dauerhafte Auswirkungen auf deine Gesundheit haben, solltest du mit der Chemie falsch umgehen!



Chlor:

Das gängigste und zuverlässigste Wasserdesinfektionsmittel weltweit ist Chlor. Es weist ein sehr breites Wirkungsspektrum auf, hat in passender Dosierung im Schwimmbeckenwasser keine Nebenwirkungen und erfüllt die Anforderungen an Langzeit- und Depotwirkung. Die Wirksamkeit des Chlors ist jedoch auch abhängig vom PH-Wert des Beckenwassers, der Wassertemperatur und Sonneneinstrahlung, sowie von Verdünnungseffekten durch Frischwasserzugabe und Aufzehrung, z.B. durch die Filterkohle.

Chlor ist in verschiedenen Lager- und Herstellungsformen erhältlich:


Flüssigchlor wird meist in Gebinden von 10 Liter bis 200 Liter, mit einem Aktivchlorgehalt von ca. 15% ausgeliefert. Es ist sehr einfach zu verarbeiten, hat jedoch einige Anforderungen an die Lagerung. Da flüssiges Chlor nicht lagestabil ist, nimmt der Aktivchlorgehalt in kurzer Zeit ab und stabilisiert sich nach einigen Wochen um die 5-7% Aktivchlorgehalt.

Chlortabletten und Langzeittabletten werden häufig in Whirlpools und kleineren Pools in Schwimmerboxen oder in einem Korbeinsatz im Skimmer eingesetzt. Diese Tabletten sollten einen Aktivchlorgehalt von mind. 80% enthalten, PH-neutral und kalkfrei sein.

Feststoffchlor oder auch Chlorgranulat ist in Gebinden von wenigen Kilogramm, bis zu großen Einheiten von 40-70 Kg erhältlich. Auf dem Markt sind organische und anorganische Chlorgranulate verfügbar, welche, je nach Hersteller, einen Aktivchlorgehalt von ca. 60-80% aufweisen und Lagerstabil sind, solange sie kühl und trocken gelagert werden. Da das lagernde Feststoffchlor jede, auch nur minimalste Luftfeuchtigkeit aufnimmt, hat auch Feststoffchlor eine gewisse Begrenzung der Lagerdauer. Für die Verarbeitung von Feststoffchlor im größeren Stil gibt es spezielle Anlagen, welche das Granulat auflösen und das flüssige Chlor in den Kreislauf pumpen. Feststoffchlor wird gerne auch für eine kurzfristige Hochchlorung des Kreislaufes genutzt.


WICHTIGER SICHERHEITSHINWEIS: Bitte werfe das Feststoffchlor nicht ins Becken, wie Sie Salz bei Frost auf deine Einfahrt! Chlorgranulat immer in einem Gefäß, vorab gefüllt mit klarem Wasser, auflösen und dann über den Beckenrand zugeben! Der feine Granulatstaub ist extrem gefährlich für deine Lungen! Ebenso schütte niemals Gebinde zusammen! Solltest du versehentlich organisches und anorganisches Chlor vermischen, wird es extrem lebensgefährlich!



Elektrolyseanlagen sind eine sichere Alternative zu den oben genannten Medien, da hier das Chlor zur Desinfektion in der Elektrolyseanlage vor Ort durch gelöstes Salz hergestellt wird. Je nach Typ der Anlage unterscheidet man in zwei grundlegende Anlagentypen:


Süßwasserelektrolyse: Bei der Süßwasserelektrolyse werden Salztabletten in einer Anlage gelöst und aus dem Salzwasser Chlor hergestellt. Diese Anlage läuft in einem eigenen, kleinen Kreislauf und pumpt lediglich das fertig hergestellte Chlor in den Beckenkreislauf.


Salzwasserelektrolyse: Im Gegensatz dazu erzeugt die Salzwasserelektrolyse ihr Chlor im gleichen Prozess aus dem im gesamten Beckenkreislauf befindlichen Salz. Der angenehme Vorteil eines Salzwasserbeckens ist der gesundheitsfördernde Aspekt eines Salzwasserpools, allerdings müssen die Materialien des Beckens auf den Betrieb mit Salzwasser ausgelegt sein, sonst erliegen diese einem beschleunigten Altersprozess.


Chlorgas wird in der Regel nur in großen, öffentlichen Schwimmbadanlagen eingesetzt und ist, trotz der schlechten Presse (die meisten Chlorgasunfälle sind auf menschliches Versagen beim Umgang mit anderen Chlortypen und Chemikalien zurückzuführen) einer der sichersten und wirtschaftlichsten Chlorungsverfahren. Aufgrund seiner Komplexität, Wartungsintensität und den hohen Sicherheitsstandards werden immer mehr Chlorgasanlagen stillgelegt und durch alternative Anlagetypen ersetzt.

Bei der Desinfektion reagiert das Chlor mit den Verschmutzungen, daher trennen wir die Begriffe für Chlor im Beckenwasser wie folgt auf: Chlor, welches noch reagieren kann, nennt man freies Chlor, wogegen Chlor, welches bereits mit Schmutz reagiert hat, gebundenes Chlor genannt wird. Dieses gebundene Chlor muss herausgefiltert werden und sollte nicht über gewisse Grenzwerte im Becken steigen. Die dritte Stufe der Chlorreaktion ist das Trihalogenmethan, welches erst nicht entstehen sollte und durch regelmäßige Wasserpflege zu verhindern ist.


Für die alltägliche Schwimmbadwasserkontrolle gibt es hier verschiedene Grenzwerte für freies und gebundenes Chlor und ebenso für den PH-Wert, welcher starken Einfluss auf die Desinfektionswirkung und somit auf deine Beckenwasserqualität hat. Eine Übersicht über die Abhängigkeiten des PH-Wertes in Bezug auf die Wasseraufbereitungsqualität findest du weiter unten in diesem Artikel.


Darüber hinaus gibt es noch viele andere aussagekräftige Messwerte über die Beckenwasserqualität, die teilweise vor Ort oder im Labor gemessen werden können, welche wir dir gerne in unserem Artikel über die chemisch-physikalischen Eigenschaften von Schwimmbeckenwasser näher bringen.



Spannender Fakt:

Der typische Hallenbadgeruch weist meist nicht auf zu viel Chlor, sondern auf eine erhöhte Menge an gebundenem Chlor hin. Das gebundene Chlor kann in höheren Konzentrationen auch zu Haut und Augenreizungen führen.



Brom:

Brom ist ebenfalls als Desinfektionsmittel für Schwimmbadwasser geeignet. Im Vergleich zu gebundenem Chlor ist das „gebundene Brom“ geruchlos und reizt die Schleimhäute nicht. Als Anteil hat elementares Brom nicht die volle Desinfektionsstärke wie Chlor und beim Hautkontakt mit dem flüssigen Brom entstehen schwere Hautverletzungen!


Brom-Sticks:

Brom-Sticks sind eine Alternative, da diese deutlich sicherer in der Anwendung sind und neben Brom auch Chlor enthalten. Diese werden, mangels Zulassung, in Deutschland nur in Privatbädern eingesetzt, sind in anderen Ländern allerdings auch für öffentliche Bäder zugelassen.


Ozon:

Ozon ist eine sehr aktive Form von Sauerstoff, welche zwar sehr wirksam, allerdings auch sehr gefährlich ist und daher nur in einem Nebenkreislauf als Zusatz zur Wasserdesinfektion eingesetzt wird. Aufgrund seiner hohen Reaktionsgeschwindigkeit ist Ozon sehr flüchtig und muss daher direkt am Einsatzort in einer sehr aufwendigen Anlage hergestellt werden. Ozonanlagen findet man nur noch sehr selten in großen öffentlichen Schwimmbädern oder Krankenhaus-Therapiebädern mit besonderen Hygieneanforderungen.



UV-Desinfektion:

UV-Desinfektion ist eine bewährte Methode zur Unterstützung Ihrer Desinfektion im Wasserkreislauf. Kurz nach der Filtereinheit wird das Wasser über eine UV-Lampe geleitet, welches die unerwünschten Stoffe durch Beleuchtung mit UVC-Licht zerstört.

Diese Form der Desinfektion ist, entgegen den anderen oben genannten Mitteln, nur eine punktuelle Desinfektion und erfüllt nicht die benötigten Anforderungen an die Langzeit- und Depotwirkung im gesamten Wasserkreislauf.


Neben den genannten Desinfektionsverfahren findet man noch weitere Typen wie Silber oder Jod. Diese verfügen leider über verschiedene Nachteile, wie Braunfärbung des Schwimmbeckens oder langsame Reaktionsgeschwindigkeiten und sind daher für die effiziente Desinfektion des Schwimmbeckenwassers nicht geeignet.


Die Aufbereitungsqualität deines Schwimmbeckenwassers hängt neben dem Desinfektionsmittel noch von vielen weiteren Faktoren, wie dem PH-Wert oder dem Einsatz von Flockungsmitteln ab, welchen wir, aufgrund der Komplexität einen eigenen Artikel widmen, welchen du in unserer Academy findest.



Wir hoffen, dir hat dieser Ausflug zu den verschiedenen Desinfektionsmitteln gefallen!


In unserer Wellness-Academy findest du viele weitere spannende Artikel rund um Schwimmbäder, Saunen und andere Wellness- und Lifestylethemen!


Wir freuen uns, dich im nächsten Artikel wieder zu sehen!

Disclaimer, Hinweis der Redaktion:

Bitte beachte, dass dieser Beitrag lediglich unverbindliche Hinweise und Inspirationen aus schulischer Sicht gibt und die RelaVida GmbH & Co. KG keinerlei Verantwortung für die fachgerechte Umsetzung und den ordnungsgemäßen Betrieb Ihrer Wellnessanlage übernimmt!

Bitte beachte bei allen Arbeiten, die allgemeinen anerkannten Regeln der Technik, die regionalen Vorschriften, die notwendigen Regelwerke, auch wenn diese nicht in diesem Beitrag genannt wurden und die entsprechenden Sicherheitshinweise des Herstellers und/oder Händlers des jeweiligen Produktes!

3 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page